Argentinien - Schweiz: Alle Wege führen zu dominantem Messi
Argentinien bleibt auf Kurs zur Weltmeisterschaft, trotz Herausforderungen in der K.o.-Runde. Die Mannschaft muss die Zugänge zu Messi kappen, um die Schweiz zu schlagen.


Argentinien ist noch immer auf Kurs, um die Weltmeisterschaft zu verteidigen, wankte aber in der K.o.-Phase zweimal. Wenn die Schweiz in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Zufuhr zu Lionel Messi eindämmen kann, ist eine Sensation möglich.
Argentinien benötigte in der K.o.-Phase eine Verlängerung, um Kap Verde mit 3:2 zu besiegen, und eine historisch späte Aufholjagd, um mit Ägypten fertig zu werden. Nach einem 0:2-Rückstand gewann der Titelverteidiger schließlich mit 3:2. Damit liegt die Mannschaft weiterhin auf Kurs, das erste Team seit Brasilien 1962 zu sein, das den WM-Titel verteidigt.
Ein auffälliger Unterschied zur Art und Weise, wie vor vier Jahren der Weltmeistertitel errungen wurde, ist, dass die Argentinier nun noch stärker über Kombinationen den Weg nach vorne suchen. Die Anzahl der Pässe pro neunzig Minuten stieg in Katar von 564 auf 632 in diesem Sommer. Die Mannschaft von Lionel Scaloni führt auch mehrere Ranglisten an, die etwas über geduldiges Positionsspiel aussagen. So verzeichnet Argentinien die meisten Pässe pro Angriff, die Passketten dauern im Durchschnitt am längsten und kein Land kam häufiger zu einem Angriff, bei dem mindestens zehn Mal der Ball hin und her gespielt wurde. Von den verbleibenden Mannschaften sucht Argentinien außerdem mit dem geringsten Tempo den Weg nach vorne.
Messi ist dabei natürlich de facto unersetzlich. Deutlich wird dies in den Statistiken, die die Zufuhr zu Messi messen.
In den ersten beiden Spielen dieser WM erhielt Messi im Durchschnitt 64,5 Pässe pro Spiel, in der K.o.-Runde waren das 73,5 Pässe pro Spiel.
Das sind Werte, die weit über den Durchschnitt seiner Mitspieler liegen. So kamen in der Gruppenphase 78,9 Prozent der Pässe, die die Spieler der gegnerischen Mannschaften Messi in der Nähe des Strafraums zuspielten, von den eigenen Mitspielern. In der K.o.-Runde ist dieser Wert sogar auf 82,6 Prozent gestiegen. Das bedeutet, dass die eigenen Spieler in der Nähe des Strafraums des Gegners immer mehr gezielt auf Messi zuspielen.
Die grosse Frage für die Partie gegen die Schweiz wird sein, ob die Schweizer Defensive in der Lage ist, die Pässe zu Messi zu reduzieren.
In der Gruppenphase war das noch kein Problem für die Gegner. Messi wurde in der Gruppenphase von seinen Mitspielern im Durchschnitt 22,3 Mal pro Spiel angespielt. In der K.o.-Runde stieg diese Zahl aber auf 33,5. Das ist ein Anstieg um mehr als 50 Prozent.
Die Defensive der Schweiz hat in dieser WM bislang eine hervorragende Arbeit geleistet, was das Eindämmen der Zuspiele zu den Gegnern angeht. Bei den beiden Spielen gegen die Vereinigten Staaten und gegen Südkorea wurde den besten Spielern der gegnerischen Mannschaften nur sehr wenig Zählbares zugestanden.
Gegen die USA erhielt Pulisic im Schnitt nur 26,5 Pässe pro Spiel, die Zahl für Heung Min Son von Südkorea lag sogar bei nur 23, also noch weniger als die Hälfte von Messis zugespielten Bällen aus der eigenen Mannschaft.
Die Frage ist nun, können die Schweizer Verteidiger wie Akanji, Elvedi und Schär auch gegen Messi dessen Zuweisungen eindämmen? Der große Vorteil, den sie dabei haben werden, ist dass sie gegen Argentinien nicht wie gegen die USA oder Südkorea spielen müssen, wo sie ja praktisch zusammen als Dreierkette gespielt haben. Gegen Argentinien wird es wohl so sein, dass die Verteidigung aufgeteilt wird, also zwei Spieler werden sich um Messi kümmern müssen, während ein Spieler sich dann um die anderen möglichen Anspielstationen wie Di Maria oder Lautaro Martinez kümmern muss.
Die grosse Frage ist, wie die Schweiz das lösen wird. Werden sie Messi so gut wie möglich versuchen zu neutralisieren, oder werden sie versuchen, wie es bei den anderen Spielen der WM der Fall war, die gesamte Defensive aufgeteilt halten, sodass immer noch genug Leute da sind, die sich um andere Spieler von Argentinien kümmern können?
Das wird sehr, sehr spannend zu beobachten sein.
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